Immer wieder höre ich die Frage, ob man durch das Ändern seines Verhaltens ins Verzeihen kommt

Von karsten | Liebeskummer & Selbstliebe

Mrz 14

Immer wieder höre ich die Frage, ob man durch das Ändern seines Verhaltens ins Verzeihen kommt. Anlass war ein Goldmitglied, was sich gefragt hat, ob es seinen Eltern verziehen hat und ob es reicht, wenn man sein Verhalten trainiert...

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Ich stehe der Verhaltensveränderung skeptisch gegenüber. Vieles ist Gewohnheit, die man verändern kann, in dem man sein Verhalten verändert. Doch vieles ist auch so sehr in uns eingebrannt, dass es meiner Meinung nach einen Coach oder Therapeuten braucht, um das aufzulösen. Ich will Dir ein Beispiel aus meinem eigenem Leben geben: 

Mein Gewichtsthema

Seit Jahren schlage ich mich damit rum. Mal schlank, mal mollig. Das Jahr, in dem ich geheiratet habe, hatte ich dann irgendwann mein Limit erreicht, ich ging auf die 90kg zu.

Und das bei 1,64 m. Ich wusste, wenn ich jetzt nicht Hilfe in Anspruch nehme, dann gehe ich über eine Grenze, die ich nicht mehr in den Griff bekomme.

Also: Coach gesucht und das Thema bearbeitet.

Vieles stand in Verbindung mit meiner Angst vor dem Erfolg. Wenn ich es nicht mal schaffen würde, so ein paar Kilos unter Kontrolle zu halten, wie sollte ich es dann schaffen, ein ganzes Unternehmen auf die Beine zu stellen und damit auch noch Erfolg zu haben?!

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Meine Großeltern tauchten viel auf. Die Beleidigungen, die ich immer wieder hören musste.

Sätze wie: „Aus Dir wird eh nichts!“, „Du landest mal in der Gosse“ und weitere prägten vor allem meine Jugend.

Nachdem wir mit WingWave das Thema angegangen sind, habe ich nicht nur ohne Diät über 12 kg in 6 Monaten verloren, sondern auch SingleBalance auf die Bahn gebracht. Danach ging die Gewichtskurve auch nicht mehr wirklich nach oben, allerdings auch nicht nach unten.

Stagnation sozusagen.

Gerade mache ich die Ausbildung zum Integralen Organisations- und Aufstellungsleiter und dachte mir, da passt das Thema ja bestens rein. Was hängt noch dahinter, dass ich nicht wirklich mit Sport und gesunder Ernährung begonnen hatte?!

Für mich gab es keine Erklärung dafür. Klar ich hatte dazu ein paar einschränkende Glaubenssätze, wie:

„Mein Gehirn braucht Kohlenhydrate, wenn ich viel Kopfarbeit leiste“ oder „Sport ist Mord“.

Doch wirklich viel tat sich nicht, nachdem ich sie verändert habe. Bei der Aufstellung kam Licht ins Dunkel. Eine entscheidende Frage brachte schon eine Ahnung ins Dunkel:

"Wem bist Du nicht mehr so ähnlich, wenn Du das Thema los bist?"

„Meiner Oma“, schoss es mir durch den Kopf. Meine Oma?

Mit der hatte ich doch schon seit 2003 keinen Kontakt mehr und davor eigentlich auch nicht. Ganz bewusst hatte ich mich von meinen Großeltern entfernt. Für mich waren es ganz schreckliche Menschen, die ihre eigene Tochter gegen ihre Kinder aufbrachten.

Ich hatte allen Grund mit ihnen nicht mehr zu sprechen. Und obwohl ich die Magie der Dankbarkeit kannte und wusste, dass ich dann verziehen habe, wenn ich auch in Dankbarkeit zu diesen Personen stehe, hatte ich es bei meinen Großeltern ausgelassen. Doch genau darum ging es plötzlich. Innerlich war ich noch mit meiner Oma verbunden. Sie wollte gewürdigt werden. Und ich muss schon sagen, es sträubte sich in mir.

Ich sah nur eine riesen Wand, die sich ausfuhr und Teile in mir, die laut schrien, dass das auf keinen Fall passieren würde. Erinnerungen schossen durch meinen Kopf, was meine Großeltern mir alles genommen hatten.

Dass sie es wirklich nicht verdient hatten meine Würde zu bekommen. Puh, damit hatte ich nicht gerechnet. Ausgerechnet die Menschen, die ich aus meinem Leben verbannt hatte.

Eine Entscheidung, die ich in 15 Jahren nie bereut oder in Frage gestellt habe. Da ich gerade am Anfang meiner Ausbildung war, beschlossen wir, dass Thema aufs nächste Mal zu verschieben und in der Tiefe aufzulösen.

Doch das sieht meinem Gehirn so gar nicht ähnlich. Es ratterte und musste diese Gedanken erstmal fassen. Plötzlich wurde mir bewusst, ich hatte eine wichtige Komponente übersehen:

Die Vorteile die ich durch das Verhalten meiner Oma hatte.

Ich überlegte, wie mein Leben wohl ausgesehen hätte, wenn sie anders gewesen wäre? Was wäre gewesen, wenn sie nicht so um meine Mutter gebuhlt hätte? Wahrscheinlich wäre ich nie rausgekommen aus dieser nicht wirklich optimalen Umgebung. Hätte meine Mutter gepflegt und mein eigenes Leben auf der Strecke gelassen.

Höchstwahrscheinlich wäre meine Tochter nicht geboren und ich wäre nicht nach Hamburg gezogen, sondern hätte eine Ausbildung in irgendeinem Beruf gemacht. Wäre SingleBalance überhaupt möglich gewesen? Wahrscheinlich wohl eher nicht.

Und dann wurden mir immer mehr Dinge klar. Meine Großeltern waren immer besser gestellt, als wir in der Liebermannstraße 20, wo wir wohnten.

Genau das gaben sie uns auch immer zu verstehen.

„Wir sind hier nicht in der Liebermannstraße 20!“ hieß es nur all zu oft.

Das bedeutete so viel wie: Das ist nicht gut, wie ihr lebt. Sozialhilfe ist nichts, worauf man stolz sein kann. Ihr lebt in einer Rumpelkammer. Es gibt Regeln im Leben.

Wie sehr hatte ich sie dafür verachtet. Mussten sie uns das immer auf die Nase binden?

Doch an diesem Tag wurde mir bewusst, dass sie uns damit auch immer wieder aufgezeigt haben, dass es auch ein anderes Leben gab. Dass so, wie wir lebten, nicht die Norm war.

Puh, was für Erkenntnisse.

Damit hatte ich so ganz und gar nicht gerechnet. Mir wurde klar, dass ich viele Eigenschaften von meiner Oma habe, die sie mir mitgegeben hat.

Beharrlichkeit war eine davon. Durchsetzungsvermögen und Hartnäckigkeit sind andere Eigenschaften. Die Leidenschaft kann ich auch nicht von mir weisen.

Ohne näher darauf einzugehen, kann ich sagen, meine Großeltern lebten vor, dass Sexualität zu einer Ehe dazu gehörte und natürlich die Leidenschaft zu gutem Essen. Meine Oma kochte immer leckere Dinge und zum Essen ging ich wirklich gern zu ihnen. Es kamen noch mehr Dinge und Eigenschaften hoch, die ich so noch nie gesehen habe.

Und plötzlich war ich dankbar.

Mein Gehirn fing an, darüber nachzudenken, was ich dadurch alles ermöglicht bekommen habe. Was war alles in mein Leben gekommen, nur weil sie so waren, wie sie halt waren?!

Es waren nicht gleich alle Teile, die das Lied der Dankbarkeit laut spielten, manche sind bis heute noch verletzt und gekränkt. Doch nächste Woche steht der nächste Ausbildungsblock an und ich weiß jetzt schon, danach werde ich eintauchen in eine tiefe Verbundenheit und Gesundung mit meiner Großmutter.

Was sich bei meinem Gewicht getan hat? Umso mehr ich täglich meiner Großmutter Dankbarkeit entgegenbringe, umso mehr komme ich in die Bewegung und ins Schwitzen. Inzwischen mache ich regelmäßig am Morgen Sport und tanze mindestens 15 Minuten lang.

Oft ist es auch eine halbe Stunde oder länger. Das hat nicht sofort geklappt. Zuerst war einmal die Woche ein bisschen Schwimmen angesagt. Immer wenn ich in die Sauna gegangen bin.

Doch es wird besser und mir wird immer mehr bewusst, wie sehr wir mit der Familie verbunden sind. Ob wir nun wollen oder nicht.

MEIN TIPP FÜR DICH

  • Wenn Du noch Groll gegen jemanden hast, dann schaue hin, wofür Du dieser Person in Deinem Leben dankbar sein kannst.
  • Ich selbst weiß, dass das manchmal gar nicht so einfach ist und wir gerade bei diesen Themen auch mal Unterstützung brauchen.
  • Dass ich so viel alleine mache, liegt einfach daran, dass ich so viele Dinge in meinem Leben schon mit Hilfe entdeckt habe. Dadurch ist mein Gehirn auf Lösungen ausgelegt und setzt die Puzzle-Teile oft anders zusammen.
  • Doch jeder von uns braucht Anstöße von Außen.
  • Ohne die Aufstellung hätte ich es wahrscheinlich nicht erkannt.

MEINE ERKENNTNIS FÜR MICH:

Auch ich lerne nie aus und habe immer noch das ein oder andere Thema. Doch heute weiß ich, wie ich damit umgehe und dass es halt nicht reicht, nur zu denken, dass ich jemandem verziehen habe.

Verzeihen heißt, wirklich im Herzen dankbar zu sein, für das, was mir dadurch in meinem Leben ermöglicht wurde.



Deine Mariam

  • Katja sagt:

    Vielen Dank für den tollen Artikel! Und ganz allgemein: super dass du den Blog hast, ich lese hier sehr gern mit!

    Ich habe auch schon gemerkt, daß ich Personen, gegen die ich noch Groll hege, innerlich auch oft dankbar bin oder mir durchaus schon irgendwie klar ist, was sie Gutes für mich gemacht haben. Das nochmal zuzulassen (wo man doch eigentlich demjenigen böse sein will) ist so ein Knackpunkt. Und dann gehts auf einmal leichter..

    Wunderbarer Beitrag, danke!

    • Mariam sagt:

      Liebe Katja,
      ich freue mich, dass Dir mein Blog so gut gefällt 🙂
      Der Groll ist echt so eine Sache für sich, manchmal versteckt er sich und wir sehen ihn erstmal nicht, so wie bei meiner Oma. Doch wenn wir ihn auflösen, dann ist es tiefe Freiheit, die dafür eintritt.

      Hast Du ein Wunsch Thema, über das ich mal schreiben soll?
      Sonnige Grüße
      Deine Mariam

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